Wir beschreiben den Umbau eines Goliath GD750–Dreirads von Pola G (im Vertrieb von
Fremde Seite
Faller®) zu einem Vorkriegs–F400.
2014 wurden zwei Versionen des „Goli” angeboten (beide inzwischen werksseitig ausverkauft): Die Version mit Kofferaufbau
((fremde Seite) Artikelnummer 331955)
und die mit Hochpritsche
((fremde Seite) Artikelnummer 331860),
jeweils um moderate 29,99 €.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Mit dem Modell ist den Konstrukteuren von Pola ein großer Wurf gelungen. Das Dreirad bietet
sich - ebenso wie der Lanz Bulldog - für individuelle
Verfeinerungen und Umbauten geradezu an. Der hier gemachte Vorschlag ist allerdings nur geübten Bastlern zu empfehlen.
Einige Vorbildfotos von Goliath–Dreirädern zeigen wir in einer Goliath–Galerie.
Da gibt es auch die Vorbild–Maße des gesamten Fahrzeugs und der Ladefläche. Die fiel im Modell aus praktischen Gründen zu lang aus.
Abschnitte dieser Seite:
Ganz neu ist die Konstruktion nicht. Auf dem Boden des Kofferaufbaus findet sich ein
Copyright–Hinweis von 1993. Das tut der Liebe jedoch keinen
Abbruch. Das Modell ist ebenso gut konzipiert wie konstruiert.
Die dem Bausatz beiliegenden Teile sind passgenau gefertigt. Die Bauanleitung ist
Pola–typisch knapp gehalten und lebt von den informativen Explosions–Zeichnungen auf
drei DIN A4–Seiten (die erste Seite dient der
Teile–Übersicht). Besonders erfreulich: Das Modell ist nicht - wie sonst bei Pola üblich -
„handbemalt”, also vergleichsweise lieblos verschmutzt.
Folgende Punkte dürfen kritisiert werden. Die an sich pfiffig in Folie vorgestanzten
Scheiben waren schon in der Verpackung verkratzt und sind nicht wirklich klar. Die Form
der Seitenfenster stimmt nicht. Die Reifen - was die Form angeht, sehr gut in Silikon
gespritzt - sind zu glänzend, was sich aber mittels einer Stahlbürste beheben lässt.
Ferner ist es zwar Spiel–freundlich, dass sich die Haube und die Seitentüren öffnen lassen.
Bei der Haube stellt sich aber die Frage: wofür? Um die Imitation des Kühlers zu bewundern?
Die Fahrertür hatte zumindest beim vorliegenden Exemplar hinten ein nicht mehr akzeptabel
großes „Spaltmaß”, das erst mit einem Streifen 0,5mm–Polystyrol verschlossen werden musste.
Die Idee, die Hinterachsaufhängung zwecks leichter Federung nur steckbar auszuführen, ist an
sich gut. Hier brach aber schon während der Montage eine der Federlaschen und verschwand auf
Nimmerwiedersehen. Hier sollte entgegen der Bauanleitung lieber doch geklebt werden
.
Sonst gab es jedoch nichts zu meckern. Alle weiteren Probleme waren lediglich dem gewagten Umbau zuzuschreiben.
Beginnen wir bei der Haube. Beim F400 entfallen Kühlergrill, Lüftungsschlitze,
Schriftzug, die Verstärkungssicke unten und die Andeutungen der Verschlüsse (die Haube des F400
war starr befestigt). Am Übergang der Haube zum Führerhaus liegt eine Aluleiste. Die Nase der
Haube ist vorne quer zur Fahrtrichtung ausgerundet, in der Mitte gibt es eine senkrechte
„Bügelfalte”, und unten läuft sie in einer leichten Spitze aus. Oben liegt der Tankstutzen.
Der Windschutzscheibenrahmen ist breiter, seine unteren Ecken laufen spitz statt rund
aus. Der Scheibenwischer ist oberhalb des Rahmens befestigt. Der Rahmen ist aus Aluminium, beim Heckfenster aus Holz.
Die Türen sind hinten angeschlagen, die Griffe liegen also vorn. Der Rückspiegel
ist auf der Fahrertür statt am Vorbau. Dach und Türen sind von der Seite gesehen runder. Die obere,
äußere Kante des Türblatts ist in der Mitte ausgerundet. Die Füllungen sind aus einfachem Sperrholz.
Die Klappwinker sitzen vor den Türen, nicht dahinter.
In der Fahrerkabine entfällt die Getriebe– und Motorabdeckung. Das Lenkrad ist
größer und steht steiler, das Armaturenbrett steht senkrecht und ist flach. Die Sitzbank ist glatt bezogen, die Polsterung dünner.
Die Felgen sind fünf Mal durchbrochen und haben keine Radkappen. Die Reifen sind
schmaler. Der Achsstand ist um 18,9 mm zu lang (Original:
2.500 mm =
111 mm im Modell. Pola GD750:
130 mm). Das wird wohl dem Nachkriegsmodell mit der höheren
Zuladung (750 statt 500 kg) entsprechen und ist daher kein Fehler.
Im Modell sollte die typische Tiefpritsche nachgebildet werden. Eine Tiefpritsche
liegt zwischen den Hinterrädern und ist - zumindest dort - dementsprechend schmal. Eine
Hochpritsche liegt oberhalb der Räder und darf daher breiter sein. Da dem
Bausatz Kotflügel beiliegen, müssen diese nicht selbst gebaut werden.
Da der Achsstand nicht geändert werden sollte, um auch den schönen Koffer aufclipsen zu können,
musste die Modellpritsche etwas gestreckt werden.
Das Modell ist minimal zu niedrig und zu schmal, aber im vernachlässigbaren Bereich.
Die Felgen bestehen aus recht weichem Polystyrol. Sie wurden provisorisch auf die Hinterachse
gesteckt und vorsichtig auf der Drehbank in Form gebracht, was so halbwegs klappte. Das Bild
zeigt links das Original und rechts eine profilierte Felge.
Dann wurden - mehr schlecht als recht - die fünf Durchbrüche je Felge eingearbeitet. Die Imitationen
der Radmuttern entstanden aus 1 mm–Polystyrol–Stiften.
Die Reifen des Bausatzes sind sehr gut aus schwarzem Silikon gespritzt. Es hat lediglich einen
Nachteil: Es glänzt zu sehr. Das lässt sich jedoch mit Fleiss und einer feinen Stahlbürste ändern.
Tipp: Legen Sie beim Verkleben der Halbschalen für die Hinterachse unbedingt
den Stahlstift mit ein. Selbst dann bedarf es noch einiger Nacharbeit, damit sich die Welle später leicht drehen lässt.
Der im Bausatz vorgesehene Halter für das Vorderrad wurde durch einen Eigenbau aus Messing
ersetzt. Dadurch war es möglich, dem Dreirädchen auch einen Lenkhebel und eine Lenkstange
zu spendieren. Diese Teile sind später nämlich gut zu sehen. Die Nachbildung der Bremstrommel
entstand aus zwei aufgeklebten, halbrunden Scheiben Polystyrol.
Wer es ganz genau nimmt, sollte noch den Bowdenzug für die Bremse nachbilden. Darauf wurde hier
jedoch verzichtet. Dieser Zug tritt oben vor der Lagerung aus und führt dann zum Schwingenarm.
Das erste Bild zeigt die Haube im originalen Zustand. Die Sicke, das Goliath–Logo und die Lüftungsschlitze
fielen Feile und Schleifpapier zum Opfer. Achten Sie unbedingt darauf, die Seiten sorgfältig zu
glätten, sonst sind die Erhebungen später bei einer glänzenden Lackierung noch zu erkennen!
Dann wurden die Streben des Kühlergrills entfernt und das Loch mit einem Stück
2 mm–Polystyrol verschlossen.
Erst danach fiel dann so richtig auf, dass die Form der Nase nicht stimmt (Bügelfalte, Ausrundung
und Spitze unten). Also ging es noch einmal zum Schönheitschirurgen auf den Operationstisch.
Die untere Hälfte des vorderen Teils wurde ebenfalls durch eine Kunststoff–Platte
ersetzt und ein klein wenig steiler als die Original–Fläche eingeklebt. Der Rest war Feil– und Schleifarbeit.
Da die Haube im Original starr angebracht ist, wurde sie auch gleich angeklebt. Die Nachbildung
der Aluleiste vor dem Führerhaus entstand aus 0,5 mm–Polystyrol,
der Tankstutzen wurde aus Rundmaterial gedreht. Für die Borgward–Raute (Achtung: nur beim Baujahr 1938!) bot sich als Werkstoff Aluminium an.
Die Fahrertür hatte hinten ein zu großes Spaltmaß. Hier half wieder ein dünner
Kunststoff–Streifen. Die Bohrungen für die Türgriffe und für die Klappwinker am Rahmen
wurden verschlossen, die Scharniere weggefeilt. Die neuen Scharniere entstanden nach dem Einkleben
der Türblätter aus 1 mm–Stiften.
Vorher wurde jedoch noch das Dach mit sanfter Gewalt ein wenig runder gebogen (von der Seite
aus gesehen). Der obere Türspalt ist beim Pola–Modell ganz gerade, beim F400 jedoch gewölbt.
Die Türgriffe entstanden wieder aus passend gefeiltem Aluminiumblech.
Dieser Schritt ist nur geübten Bastlern mit sicherer Hand zu empfehlen. Zwar sieht die alte
Form des Rahmens (breiter und mit spitzen Ecken unten) besser aus als die runde, schmale
Ausführung des Pola–Golis. Bei dieser Arbeit kann jedoch leicht etwas daneben gehen.
Das erste Bild zeigt die Unterschiede. Links ist der Originalzustand erhalten, die rechte Hälfte ist
mit dem Radfräser und Gravursticheln in die neue Form mit spitzen Ecken unten gebracht.
Der neue Rahmen wurde aus 1 mm–Kunststoff angepasst.
Tipp: Die Breite des Rahmens lässt sich sehr gut mit einem gewöhnlichen
Zirkel gleichmäßig anzeichnen, der eng gestellt und um die Platte geführt wird.
Dem Bausatz liegt vorgestanzte, dünne Folie für die vier Scheiben bei. Die Windschutzscheibe
passt nun natürlich nicht mehr. Das ist aber nicht schlimm. Der Pola–Kunststoff ist nämlich nicht
ganz klar und war außerdem schon leicht verkratzt. Die neuen Scheiben entstanden aus einer 0,2 Millimeter
starken Folie, wie es sie im Zeichenbedarf oder Copyshop gibt.
Tipps: Schneiden Sie die Pola–Seitenfenster aus, dann haben Sie eine gute Schablone
für die Neuanfertigung. Die Fahrerscheibe wurde hier nur fast ganz geöffnet nachgebildet.
Das Heckfenster ist beim F400 nicht ausgerundet und hat einen Holzrahmen. Daher wurden auch hier
die Ecken in Form gebracht. Für den Rahmen musste wieder Polystyrol herhalten.
Glücklicher Weise stand beim Bau der Eigner eines F400 als Telefon–Seelsorger zur Verfügung.
So war schon vor dem Eintreffen weiterer Detailfotos klar, dass noch ein wenig mehr Arbeit nötig sein würde.
Das neue Lenkrad mit größerem Durchmesser wurde aus Messing und Neusilber gebastelt
und ein neues Armaturenbrett aus Polystyrol. Der gleiche Werkstoff kam bei der neuen, im Original
glatt mit rotbraunem Kunstleder bezogenen Sitzbank zur Verwendung.
An der Rückwand sind beim F400 innen einige Holzleisten, die hier aus Vierkant–Profilen entstanden.
Außen gibt es hingegen zwei zusätzliche, senkrechte Aluminium–Leisten, für die wieder
0,5 mm–Polystyrol verwendet wurde.
Die Oberfläche der Türfüllungen fiel dem Schleifpapier zum Opfer. Daran schloss sich der Bau
neuer Türöffner und Fensterkurbeln an. Dabei waren die unterdes eingetroffenen
Vorbildfotos von Herrn Gnadl eine große Hilfe.
Hinweis: Der vorne aus dem Sitzbankkasten heraus schauende Verteiler und der
daneben liegende Schaltstock sind auf keinem der Modellfotos gut zu sehen. Orientieren Sie sich bei einem Nachbau am Original.
Der neue Rückspiegel wurde so gebaut, dass sich sein Messingschaft im Kunststoff–Halter
schwergängig dreht. So kann der Spiegel bei Transporten zur Sicherheit eingeklappt werden.
Etwas fieselig gestaltete sich der Bau des neuen Scheibenwischers aus Kupferdraht und 0,1 mm–Messingblech
.
Der dem Aktions–Programm beiliegende Kastenaufbau („Koffer”) wird nur auf die Querstreben
an den Enden der Hinterachs–Blattfedern aufgeclipst. Da könnte man doch …?
Jawohl, man kann. Pritsche und Koffer können abwechselnd nach Lust und Laune auf das Fahrwerk
gesetzt werden. Die nötigen Maße für die Pritsche lassen sich leicht aus der Bodenplatte des Koffers
ableiten - mit einer Ausnahme. Die Breite wird nämlich durch die beiliegenden Kotflügel bestimmt (oder genauer: das lichte Maß dazwischen).
Bauplan der Modell–Tiefpritsche ansehen.
Achtung: Die Maßskizze gilt für eine zu lange und etwas zu breite Pritsche, die dafür jedoch auf das GD750–Fahrgestell passt!
Knifflig wird es für Puristen bei der Stirnwand und Heckklappe. Diese bestehen nämlich aus
U–Profil–Rahmen, in die jeweils drei Bretter eingefasst sind. Die Aufgabe wurde
hier mit Geduld, Lötkölben und Messing–Profilen 1,5 × 1 mm erledigt. Die funktionalen
Scharniere und Riegel entstanden aus
0,5 mm–Messingblech. Dabei wurde aus Stabilitätsgründen
von der Original–Konstruktion abgewichen. Aber eine starre Heckklappe? Pfui!
Die unteren Scharnierbänder wurden mit Stiften gesichert, die durch das Heck der Pritsche hindurch
führen und dort mit verlöteten Drahtstückchen gesichert sind. Einer bloßen Klebestelle
Polystyrol–Messing ist bei statisch belasteten Teilen nicht recht zu trauen.
Der Mittelsteg der Kotflügel wurde abgesägt. Beim Aufkleben der Kotflügel selbst sind dann
wahlweise Außenmaß oder eine Montagelehre in Form eines Abstandshalters gefragt. Die
Nachbildung der Gummilippe erfolgte mit Kupferlackdraht und Sekundenkleber.
Die 24 Nietkopf–Imitationen des Aufbaus sind aus Polystyrol - siehe den Beitrag
„Niete und Schrauben nachbilden” im Modellbau–Bereich.
Was schon beim Lanz gut aussah, sollte auch hier für Licht sorgen. Also wurden die Scheinwerferchen mit
Micro–Glühlampen versehen. Solche wurden bei Conrad mit 1,55 Volt Nennspannung und
15 mA Stromaufnahme unter der Artikelnummer
72 01 20 angeboten,
Durchmesser 1,2, Länge 3,6 mm. Früher waren es 1,2 Volt,
Durchmesser 1,45 und Länge 3,6 mm,
Nummer 72 72 53. Davon waren noch etliche vorhanden.
Derzeit (2012) führt Conrad diese Lampen nicht.
Die mittlere Lebensdauer dieser Lampen wird im Datenblatt mit 40 Stunden angegeben. Daher empfiehlt
es sich, sie in jedem Fall mit deutlich verminderter Betriebsspannung zu betreiben.
Die Berechnung für den nötigen Vorwiderstand je Lampe, hier bei angenommenen 12 Volt Versorgungsspannung:
12 V - 1,1 V = 10,9 V.
R = U ÷ I
= 10,9 V ÷
0,015 A =
726 Ohm. Der passende Widerstand beträgt also 730 oder besser 820 Ohm.
820 Ohm–Widerstände sind mit den Ringen grau, rot, braun codiert (8, 2, eine Zehnerpotenz).
Für die 1,5 Volt–Ausführung genügen 730 Ohm, aber mit 820 Ohm ist es immer noch sicherer.
Dabei gilt es zu bedenken, dass ein Lampenwechsel später unmöglich ist!
Für die Rücklicht–LED sollte ein Gleichrichter aus vier
Standarddioden 1N4148 vorgeschaltet werden, dann spielt
die Anschluss–Polung keine Rolle. Bei einer Low Current–LED
und 12 Volt Spannung sind 4,7 kOhm als Vorwiderstand gut, bei einer Standard–LED 820 Ohm.
Zunächst fielen die Stifte in der Mitte der Reflektoren dem Fräser in der Kleinbohrmaschine
zum Opfer. Vorsicht! Die Materialstärke der Schalen ist sehr dünn. Dann
wurden Richtung Karosserie zwei Bohrungen 0,6 mm
ober– und unterhalb sowie knapp hinter dem Befestigungsdorn angebracht (für die Durchführung
der Lampendrähte). Solche Bohrungen entstanden auch an passender Stelle an der Fronthaube.
Es ist aus Stabilitäts– und Montagegründen unbedingt zu empfehlen, die Scheinwerfer
vor der Lackierung einzukleben und zu verglasen. Bei der Spritzlackierung können
sie abgeklebt werden. Aber! Die Haltestege sind so dünn, dass die Lampen sehr
leicht abbrechen können. Geschickte Bastler sollten diese daher unbedingt durch ein Stück Messingdraht ersetzen.
Im zweiten Schritt werden die Schalen innen mit Revell®
Nummer 90 (Aluminium) lackiert. Je einer der Anschlussdrähte der Subminiatur–Lampen wurde ein
wenig gekürzt, um beide besser durchfädeln zu können. Dann galt es die Glühlampen mit ein wenig
Sekundenkleber möglichst mittig im Reflektor zu fixieren. Das ist keine Arbeit für schwache Nerven, aber das Ergebnis lohnt die Zitterpartie.
Wenn die Glühwürmchen angetrocknet sind, wird der Schaft der Reflektoren mit Klebstoff bestrichen
und die Schale mit durch die Haube geführten Drähten fest geklebt. Ist auch diese Klebestelle
trocken, können die Drähte vorsichtig an den Halter heran gedrückt werden, damit sie -
besonders von vorne gesehen - nicht mehr auffallen. Ein wenig Farbe von außen und und ein wenig
Klebstoff von innen sichern die Drähte in dieser Position. Die „Gläser” mit den
angespritzten Lampenringen werden bei der Gelegenheit auch gleich mit angebracht.
Die Federkontakt–Verbindung für das oder die Rücklichter wurde weiter oben schon gezeigt.
Der Vorwiderstand für die Leuchtdiode fand seinen Platz innen an einem der Rahmenlängsträger.
Leider gab es bei der Trocknung des ersten Kastens ein peinliches Missgeschick, und Teile
des Aufbaus schmolzen in der Nähe einer Wärmequelle. Die Ersatzteile wurden bei Fremde Seite
Faller®
bestellt und trafen wenige Tage später zu einem sehr moderaten Preis ein. In solchen Fällen wird Ihnen schnell
und unproblematisch unter dem Menüpunkt „Service” der Website geholfen.
Die Teile des Aufbaus passen sehr gut. Ebenfalls geschickt gelöst sind die zu öffnenden Türen
am Heck und der rechten Seite. Hier war nur wenig Nacharbeit nötig. Achten Sie jedoch unbedingt
darauf, dass sich die Flügel leichtgängig öffnen lassen. Die Scharnierstifte brechen leicht ab!
Weniger gut gefällt die bunte und moderne Werbeaufschrift des Modells - die wurde schnell und
gründlich beseitigt und später mit dezenteren Abreibeschriften ersetzt.
Die Kunststoffteile sind sehr lichtdurchlässig und sollten daher von innen und außen lackiert
werden, um den Plastik–Eindruck zu mildern. Das gilt jedoch für alle Teile des Modells. An den Innenflächen
sind die Spuren des Formfräsers aus dem vergangenen Jahrhundert deutlich zu sehen. Dem hilft aber
Link zum Glossar
Korund–Schleifpapier rasch ab.
Die Rastnuten für die Verbindung zum Fahrgestell werden ein wenig geweitet, damit sich der Aufbau
leichter auf– und abclipsen lässt. Außerdem wurden die fehlenden Nachbildungen der Radkästen
(Innenseiten der Kotflügel) aus dünnem Kunststoff nachgebildet und angeklebt.
Tipp: Bereiten Sie die Kofferteile vor und verkleben Sie diese zügig miteinander.
Legen Sie während der Trocknung das Dach als Führung provisorisch auf. Die Seitenwände sind innen nicht ganz rechtwinklig zum Boden.
Auch fehlt an der vorderen Kofferwand die Leiste in mittlerer Höhe des Aufbaus. Das fehlende
Stückchen wurde mit einem Streifen 0,5 mm–Polystyrol nachgebildet, angeklebt und dann „in Form” gebracht.
Außen wurde der Kasten lichtgrau gespritzt, innen mit Revell®
Nr. 75 und dem Pinsel lackiert. Für die Holzbretter der Bodens kam
Nr. 382 seidenmatt zum Einsatz. Für den richtigen Glanz sorgte dann wieder ein Überzug mit Klarlack.
Hier nicht zu sehen: Auf der rechten Seite des Kasten ist vorne noch eine einflügelige Seitentür.
Da diese baugleich mit der linken Hecktür ist, empfiehlt es sich, sie nach der Anpassung mit einer
Markierung innen zu versehen, die auch nach der Lackierung noch sichtbar ist.
Bei Führerhaus und Pritschenkasten fiel die Entscheidung auf das dunkle Grün des einen Vorbilds (etwa
Link zum Glossar
RAL 6005 Moosgrün). Das typische Laubgrün anderer Goliaths wirkt
fast etwas giftig. Die aus der Dose gespritzte Farbe von Dupli–Color®
kann gut mit Revell® Nr. 62
glänzend ausgebessert werden, die Farbtöne sind fast gleich.
Die Scheinwerfer und Kotflügel waren wohl immer schwarz abgesetzt, das lässt sich auch auf alten Fotos
gut erkennen. Die mit Clou® Goldteak gebeizten
Bretter der Stirnwand und Heckklappe wurden lediglich etwas verschliffen und klar lackiert.
Für den Kunstleder–Bezug der einfachen Sitzbank passt Revell®
Nr. 37 matt, ein braunroter Ton, ganz gut. Aber der ist eben matt. Dazu
folgender Tipp: Wird so eine wirklich matte Farbe mit nur mittelprächtig aufgerührtem, mattem Klarlack
Nr. 2 überstrichen, ergibt sich der gewünschte, seidenmatte Glanz.
Das Fahrwerk wurde seidenmatt schwarz gespritzt. Alle Details des Modells wurden mit dem Pinsel
abgesetzt. Darüber können schon ein paar Stunden verstreichen.
Der wahre Hochglanz nahezu neuwertiger Fahrzeuge ergibt sich jedoch erst durch weitere Überzüge
mit Klarlack. Hier wurde ein Nitrozellulose–Lack aus dem Kraftfahrzeug–Bereich gewählt.
Der hat jedoch trotz guter Optik und Kratzfestigkeit so seine Tücken. Denn er verträgt sich eigentlich
nicht so recht mit den Kunstharz–Lacken von Revell®.
Es geht aber doch, wenn Sie zunächst eine ganz dünne Schicht aus der sehr sorgfältig geschüttelten
und warmen Sprühdose aufspritzen. Dann wird zwei bis drei Minuten gewartet, bevor die nächste
Schicht folgt. Das wird so lange wiederholt, bis der Lack nach etwa ein bis zwei Minuten glatt
verflossen ist. Der Lohn der Mühe ist ein Hochglanz wie bei britischen Nobelkarossen.
Etwa drei bis vier Wochen später kann der Effekt noch mittels Autopolitur und Polierwatte
gesteigert werden - so lange braucht der Lack mindestens, bis er hart genug ist.
Zur Endmontage ist nicht viel zu sagen. An den Klebestellen zwischen Führerhaus und Fahrwerk muss
der Lack entfernt und später nachgebessert werden. Die Radkästen und der Boden wurden mit Anthrazit–Farbe
nachbehandelt, Kardanwelle und Auspuff weniger beziehungsweise mehr „verrostet”.
Die Kupferlackdrähte der Scheinwerfer wurden mit den Kontakten der vorab verlegten Leitungen von
der Buchse im Rastermaß 2,0 mm verlötet. Vorsicht ist - wie
stets - beim Einkleben der Scheiben und der Rahmen geboten. Tipp: Teilweise geöffnete
Seitenscheiben sollten zunächst nur an der Türfüllung angeklebt werden.
Die Lötstellen der Scharnierstifte an der Heckklappe (0,8 mm–Draht)
wurden mit Pariser Oxyd brüniert.
Der hier beschriebene Umbau ist sicher nicht für jeden Bastler geeignet. Tatsache ist jedoch,
dass Faller beziehungsweise Pola G vor weit über zehn Jahren mit dem Modell eine echte Bereicherung
des Großbahn–Marktes geglückt ist. Von wenigen Schwächen abgesehen
ist das Modell - ob nun als GD750 oder F400 - rundum zu empfehlen.
Der reguläre Preis von rund 80,- € (Stand 2008) erscheint jedoch ziemlich hoch.
Vergleichbare Bausätze des Wettbewerbs und das Aktionsmodell aus dem Jahr 2005 beweisen, dass es auch günstiger geht.
Besonders geschickt ist die Vorbild–Auswahl - was auch für den Lanz Bulldog
gilt. Denn auf Basis dieses Bausatzes lassen sich mit vertretbarem Aufwand Modelle der Vorbildjahre
1931 bis 1955 nachbilden. Das wird die meisten Modelleisenbahner zufrieden stellen.