Die geplante, fiktive Schmalspur–Modellbahn soll von Lollar bei Gießen nach Langsdorf
führen (das allerdings in Gedanken von Lich nach Norden verpflanzt wurde).
Ein Teil des Reisezugverkehrs soll die Pendler bedienen, die von den Haltestellen entlang der Schmalspur–Strecke
zum sehr realen Werk Lollar der Fremde Seite
Buderus fahren beziehungsweise abends
von dort zurück kehren. Hier können Sie sich ein Bild von deren Arbeitsalltag machen.
Die Buderus AG ist seit langer Zeit für die Herstellung hochwertiger Heizanlagen und
–kessel bekannt. Der Großvater der Tochter des Verfassers mütterlicherseits,
Justus Frank, war ein langjähriger Mitarbeiter des Buderus–Werks in Lollar.
Die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit von Buderus war so freundlich, die Wiedergabe
einiger für das Thema dieser Website interessanter Bilder aus dem Werksarchiv historischer
Aufnahmen zu gestatten. Dafür sei an dieser Stelle herzlich gedankt.
Die Website von Buderus wurde Anfang 2005 grundsätzlich umgebaut
und renoviert. Seitdem sind die historischen Aufnahmen, von denen es noch viele mehr gab, leider nicht mehr öffentlich zugänglich.
Bitte beachten Sie: Alle Fotos auf dieser Seite unterliegen dem Urheberrecht der Buderus AG.
Abschnitte dieser Seite:
Die folgenden Textausschnitte wurden den Angaben der Buderus AG zum Werk Lollar entnommen.
1854 errichtete der Hüttenunternehmer Justus Kilian an der Main–Weser–Bahn
bei Lollar ein Holzkohlen–Hochofenwerk, das er nach seiner einzigen Tochter „Hedwigshütte” benannte. Buderus erwarb das Werk 1861 und nannte es in
Anlehnung an die Bahnlinie „Main–Weser–Hütte”. 1864 ging hier der erste Kokshochofen an der mittleren Lahn in Betrieb. Im Jahre 1878 entwickelte
Buderus das „Nassauische Gießerei-Roheisen”, das den bisher führenden schottischen Marken ebenbürtig war.
1878 wurde die Gießerei der Christianshütte bei Weilburg, die über keinen Bahnanschluss verfügte, zur Main–Weser–Hütte verlegt und hier am
3. Dezember 1878 neu eröffnet. Ab Januar 1879 waren 72 Former der Christianshütte in Lollar tätig und so von Anfang an ein hoher Qualitätsstandard
gewährleistet. 1895 wurde die Produktion von gusseisernen Gliederkesseln und 1898 von Heizkörpern (Radiatoren) aufgenommen.
Bereits 1907 war die Main–Weser–Hütte vollkommen auf die Herstellung von Zentralheizungsprodukten spezialisiert. In den zwanziger Jahren wurde in
Lollar der erste deutsche Öl–Spezialkessel gebaut.
Teil 2:
Im Jahre 1918 wurden die seit 1912 hergestellten Großkessel erstmals mit Ölfeuerung
geliefert, wobei sie mit Ausmauerungen für den Ölbetrieb vorbereitet wurden. In den
zwanziger Jahren gelang es Buderus, den ersten deutschen Öl–Spezialkessel auf den Markt zu bringen.
[…]
Im Jubiläumsjahr
(Anm.: 2004) präsentiert sich das Werk
Lollar als moderner Technologie–Standort, der durch Tradition und Innovation geprägt ist.
Umgangssprachlich würden die meisten „Ofen” sagen - aber fachsprachlich ist das,
was aus Metall besteht und heizt, ein Kessel (wenn es nicht gerade ein Lötkolben ist). Daher werden auch Zimmeröfen „Kessel” genannt.
Das zweite Bild des Abschnitts zeigt Kesselgießer des Werks Lollar um 1928. Es ist leicht,
sich vorzustellen, dass das harte Arbeit war. Beachtenswert jedoch die damals übliche
Kleidung: die (Schutz–) Jacke zugeknöpft bis zum Kragen - und immer die Mütze auf dem
Kopf. Das lässt sich auch auf vielen anderen Fotos aus dieser Zeit beobachten, beispielsweise von Streckenarbeitern beim Bahnbau.
Zwischen 1900 und 1928 wuchs die Belegschaft von 250 auf 1.910 Personen an. Lollar hatte noch
zehn Jahre später „nur” rund 2.700 Einwohner. Es ist leicht vorstellbar, welche Bedeutung das Werk für die Region hatte und hat.
Der oben abgebildete „Henak”–Zimmerheizkessel wurde 1925 entwickelt und war
mit seiner ebenen Oberfläche auch zum Kochen und Warmhalten der Speisen geeignet. Einen dafür
geeigneten „Allesbrenner” betreibt die Großmutter der Tochter des Verfassers
noch heute in der Küche. Von da wurde schon manche Köstlichkeit aus der Wetterau
aufgetischt. Auch der Autor selbst hatte bis nach 1990 noch einen vergleichbaren Ofen in Betrieb -
und der ist sehr zu empfehlen, vor allem, wenn es Holz und Briketts zum Heizen gibt.
Die Gießerei in Lollar benötigt natürlich einen Werksanschluss an die regelspurige Main–Weser–Bahn.
Die Aufnahme oben zeigt das 1922 zur Vereinfachung der Arbeiten tiefer gelegte und in die Halle integrierte
Verladegleis mit einer Bn2–Werklok. Interessant ist,
dass alle Wagen, soweit erkennbar, schon die Beschriftung der Deutschen Reichsbahn haben.
In der Luftbild–Zeichnung rechts, die als realistisch angesehen werden darf, ist links noch der Bahnhof Lollar zu erkennen.
Das Bild oben zeigt eine Werkstatthalle. Schon 1911 wurden die Arbeitsbedingungen durch den
Einbau einer Entstaubungsanlage (oben links ist ein Teil davon zu sehen) deutlich verbessert.
Die Arbeiter - wiederum alle mit Hut oder Mütze - stehen in einer Reihe mit ihren Werkstücken an den Holzböcken.
Beachtenswert auch die Bockkran–Konstruktion und die Drehscheibe für die Transport–Hunte.
Auf der zweiten Abbildung des Abschnitts ist die Verladung ganzer Kessel und von Teilen dafür in der Halle zu sehen.
Mit dieser wunderbaren Aufnahme der Mitarbeiter der Maschinen–Reparatur–Werkstatt
aus dem Jahr 1936 soll der Bilderbogen abgeschlossen werden. Da sind sie nun, die gedachten
Pendler. Das Bild bietet eine Fülle von Anregungen zu Kleidung, Frisuren und Kopfbedeckungen.
Der Mann mit Schirmmütze und Krawatte ist wohl der Meister oder Vorarbeiter.